Der Wasserturm von Siófok

Címkék: NACHRICHTEN

Lokale historische Bauwerke

Das Wahrzeichen der Stadt Siófok, der Wasserturm, ist von industriegeschichtlicher Bedeutung. Nach seiner Renovierung erhielt er vor einigen Jahren eine neue Funktion und steht im Dienste des Städtetourismus. Die Geschichte des Baus und der Renovierung des Wasserturms wurde von Frau Dr. Erika Somogyi, einer Lehrerin unserer Schule in einem Artikel verarbeitet und in einer Zeitschrift veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung dieses Artikels (lektoriert von unserem Gastlehrer Bastian Naumann) stammt von Dominika Walter, einer unserer ehemaligen Schülerinnen des bilingualen Zweigs.

 

Der Wasserturm von Siófok

Ein Beispiel für die Erneuerung von Denkmälern ist das Wahrzeichen der Stadt Siófok, der Wasserturm. Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert, mit dem Aufschwung der Badekultur, der Einrichtung von Ferienhäusern und der Urbanisierung von Siófok, wurden verschiedene Investitionen in die Infrastruktur der Stadt notwendig. Der Vorstand der Gemeinde kündigte einen Wettbewerb an, um unter anderem das Problem der Trinkwasserversorgung zu lösen. 1912 entwarfen und bauten die Stahlbetoningenieure Árpád Gut und Jenő Gergely auf dem ehemaligen Darányi-Platz den nach aktuellen genauen Angaben 41 m hohen Siófoker Wasserturm, der im Laufe der Jahre zum Symbol von Siófok wurde. Zu seiner Höhe findet man in den Quellen jedoch auch verschiedene Angaben (40–45 m).

Gut entwarf mehrere Wassertürme und Betongebäude in Ungarn. Eine Kuriosität ist, dass er 1921 nach Israel auswanderte, wo er in seinem Büro in Tel Aviv nach wie vor Wassertürme entwarf. Seine Nachfolger führten Guts statisches Büro weiter, das auch noch heute besteht.

Welche Bedeutung hatte der Bau des Wasserturms? Darüber berichtete 1913 die Zeitung „Budapesti Hírlap“: „Siófok erlebt dieses Jahr außergewöhnliche Veränderungen. Die Gemeinde baut mit großem finanziellen Aufwand das allgemeine Wasserversorgungs- und Abwassersystem aus, das das gesamte Dorfgebiet sowie den Kurort erfasst […]. Das aus tief gebohrten Brunnen gewonnene, saubere Wasser wird mit Hilfe von Elektropumpen in den 40 Meter hohen monumentalen Wasserturm am Darányi-Platz hinaufgedrückt und von dort ins Netz eingespeist. Die Kanalisation ist mit einer modernen Kläranlage kombiniert und das vollständig gereinigte Abwasser fließt über die Gemeindegrenzen in den Sió-Kanal ab. Mit der Einrichtung dieser Stadtwerke hat Siófok die Bedürfnisse befriedigt, die heutzutage gegenüber Kurorten überhaupt gestellt werden können.“

In der ersten Hälfte der 1930er Jahre wurde der Wasserturm nach den Plänen der Kurz AG umgebaut. Das Wasser wurde damals schon aus dem Plattensee gewonnen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er durch die Kugel einer Panzerabwehrkanone beschädigt, da sich hier eine deutsche Artilleriebeobachtungsstation befand. Er konnte 1946 restauriert werden. 1988 wurde er mit alpintechnischen Methoden renoviert: Konstruktionsfehler wurden behoben und der Wasserturm wurde neu gestrichen.

Eine Rolle in der Wasserversorgung der Stadt spielte er bis in die 1970er Jahre. Im stadteigenen Gebäude funktionierte dann ein Reisebüro – mit einer Aussichtsplattform an der Spitze. Diese Funktion besteht noch heute: Das Gebäude beherbergt im Erdgeschoss und im ersten Stock unter anderem das Reisebüro Tourinform City Tours der Stadt Siófok.

In etwa hundert Jahren verschlechterte sich der Zustand des Wasserturms stark, so dass er Anfang der 2010er Jahre nach den Plänen der Pápay Architekten GmbH renoviert wurde. Genaue Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Turm zur Nordseite neigt, natürlich nicht so stark wie z. B. der Schiefe Turm von Pisa. Diese unsichtbaren 7 cm, um die sich der Turm an seinem höchsten Punkt neigt, ist auf Baumangel zurückzuführen. Deswegen entstand zur Zeit des Umbaus das städtische Gerücht, der Wasserturm sei gesunken, aber er neigte sich nur.

Bei der Planung berücksichtigte der lokalpatriotische Architekt György Pápay den örtlichen Schutz des Gebäudes und beließ es in seiner ursprünglichen Form. Die Fenster des Kopfteils wurden vergrößert, um den neuen Funktionen gerecht zu werden. Die Aufteilung der Glaswand entspricht dem Charakter der alten Betonpfeiler. Der unbenutzte Wassertank aus Stahlbeton wurde demontiert. Auf den oberen Ebenen des Wasserturms wurden eine Café-Aussichtsplattform und darüber ein interaktiver Raum mit rotierendem Boden errichtet. Im Kern des Gebäudes wurden zwei Panorama-Aufzüge angebracht, die den Charakter des Gebäudes nicht beeinträchtigen. Am Eingang zum Erdgeschoss wurde das Gebäude mit einer klaren Glas-Alu-Stahl-Skelettkonstruktion erweitert und erhielt so einen für das Reisebüro und Café repräsentativen Eingang. In der Mitte des Gebäudes wurde eine verglaste Ebene eingebaut. Das niedrige Betongeländer der schlecht erhaltenen Rundterrasse im Obergeschoss wurde abgerissen und durch die Verbreiterung der Rundterrasse mit einem 1,8 m hohen gehärteten Glasgeländer neugestaltet. Der Architekt realisierte so eine breitere Aussichtsterrasse. Die Transparenz der gläsernen Anbauten sorgt für die Optik des ursprünglichen Gebäudes. Die anspruchsvollen Glasdesignelemente sind György Stocker, Lehrer an der Technischen Universität Budapest (BME) zu verdanken. Die Gestaltung der Eingänge und der Umgebung wurde gleichzeitig mit der Erneuerung des Hauptplatzes vorgenommen.

Die Errichtung der Panorama-Aufzüge schien keine leichte Aufgabe zu sein. Die Konstrukteure, die es zuvor versucht hatten, hätten den Aufzug in einem separaten Turm neben dem Wasserturm installiert. Die Spitzen der beiden Türme wären durch eine Brücke miteinander verbunden gewesen. Auch den Baugewohnheiten der südlichen, frostfreien Staaten bezüglich der Panorama-Aufzüge konnte man nicht folgen: Bei nicht ins Gebäude integrierten Aufzügen, die seitlich am Turm betrieben werden, darf die Temperatur nicht unter 5 °C sinken.

Nur wenige Menschen wissen, dass der Wasserturm früher auch als Feuerwache diente. Und nun musste bei der Renovierung auch der Brandschutz in den Blick genommen werden, um die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten. Der zuerst vom Katastrophenschutz vorgeschlagene Wasservorhang konnte technisch nicht umgesetzt werden. So gelangt im Brandfall Löschwasser aus einem großen unterirdischen Wassertank in die Feuerlöschanlage des Turms.

Beim Bau wurde auch auf den Vogelschutz geachtet. Man klebte aber keine Aufkleber auf die Glasflächen, sondern man griff zu einer ästhetischeren und zuverlässigeren Lösung: Es wurde eine elektrische Alarmanlage verwendet, die die Vögel mehrere Meter von den für sie gefährlichen Glasscheiben entfernt hält.

Die Rekonstruktion ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein altes Gebäude restauriert werden kann, ohne den Charakter des Denkmals zu beeinträchtigen und gleichzeitig moderne Elemente mit den Anforderungen und der touristischen Funktion des 21. Jahrhunderts zu verbinden; wie aus einem Industriegebäude ein ästhetisches Stadtsymbol wird.

Der Wasserturm ist der wichtigste Bezugspunkt für Gäste der Stadt. Er ist die Hauptattraktion der Stadt, von der aus man das Panorama über den Plattensee genießen kann und in dessen unmittelbarer Nähe bedeutende Kultur-, Unterhaltungs- und Sportprogramme stattfinden. Wer Siófok besucht, wird mit Sicherheit das Wahrzeichen der Stadt fotografieren, weshalb auch das Internet mit Fotos vom Wasserturm überflutet wurde.

 

Quelle:

Dr. Somogyi Erika: Egykor és most. Siófok városközpontjának új építészeti értékei (Auszug). In: SiópArt, 2020/3

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